Nach einigen Fahrten mit der „BoB“ (Bayerische Oberlandbahn), kamen sie an der Donnersbergerbrücke an (immer noch in München). „Na super… Wir sind ja immer noch in München…“ „Ja und nu?“ “Schaut dort unten... Ein Imbisswagen.” Ich hatte beim Anblick der Umgebung irgendwie das Gefühl das ich in der Bronx in New York bin. Unter einer riesigen Autobahnbrücke stand ein Imbisswagen mit der Aufschrift „Bei Hamit“ und daneben an den Brückenpfeilern standen Ölfässer… Hallo??? Egal, wir hatten Durst. „Sechs Bier hätten wir gerne… Schöne kalte…“ sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn. Ich kannte die Gepflogenheiten nicht wie man in München Bier zu kühlen vermag. „Whow, das is ja mal gut gekühlt…“ Eine leichte Eisschicht überzog die Flaschen, so wie Mann es haben will. Soweit so gut. Was dann aber aus der Flasche kam war wie 0W40 Synthetiköl so dickflüssig und Du hattest Gefrierbrand auf der Zunge und im Hals. „Hat mal jemand nen Taschenwärmer?“ „Warum? Is dir kalt?“ „Mir nich aber meine Zunge is unterkühlt… Ich will mir das Dingen in den Mund stecken...“ aber das Bier war unwahrscheinlich lecker…
So denn kamen die Gefährten doch Abends im Hotel am Tegernsee an, tranken sich noch ein gekühltes Bier (selbst im Hotel war das Zeug auf gefühlte minus 273 °C gekühlt), lauschten den poppenden Hirschen (mein Gott sind die Biester laut dabei) und begaben sich ins Bett.
Am darauf folgenden Tag, nach einem ordentlichen Frühstück und gut gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung München zum Oktoberfest. Nach 40 Minuten Fahrt waren wir dort.
Die Theresienwiese lag vor uns, zeigte sich in ihrer ganzen Schönheit und wartete darauf von uns erobert zu werden. So gleich stürmten wir auf sie zu. Frauen in Dirndln kreuzten unseren Weg und das Fleisch presste sich oben aus dem… Whoops, zuviel Details. „Sollte der Tod so schön sein wie hier… ich will jetzt sterben...“ dachte ich so still in mich hinein. Wir steuerten nach einer Weile das Augustiner Festzelt an und nahmen an einen Tisch platz, bestellten uns eine Maß Bier und stießen auf einen fröhlichen Tag an. Das war um zwölf Uhr mittags. Sieben Maß und zehn Stunden später, verspürte ich den Drang doch mal auf die Toilette zu müssen. Gut ich hab die Toilette nicht gefunden aber dafür den Ausgang vom Zelt. Sogleich suchte ich draußen nach einem WC und wurde fündig. Auf dem Weg zurück zum Zelt war es weg… Hallo? Wo is das Zelt? Fünf Ochsenwürstchen und zwei Nürnberger Wurstbrötchen später, rief mein Kollege mich an und fragte mich wo ich denn sei, da sie wohl langsam mal den Rückweg antreten wollten. Wo war ich? „Du… Ich steh am Karussell…“ „An welchem?“ „Kann ich nich lesen, kann die Sprache nich“ (nach sieben Maß kannst Du die Sprache immer noch nicht). „Okay, wir treffen uns am Bahnhof.“ „Wo is der Bahnhof?“ „Alter wo bist Du?“ „Am Karussell, sag ich doch. Wie oft willst mich noch fragen.“ „Was ist in deiner Nähe?“ „Karussell? Ach ja und Josefs Ochsenbratwurststand…“ „Ach da bist du. Okay, warte da.“
Beim näheren Betrachten fiel mir auf das ich kurz vorm Zelt stand. Blubb…
Als wir im Bahnhof ankamen rief jemand: “Ey rennt, der Zug fährt gleich ab…“ Laute und schnelle Schritte waren zu hören. Als ich oben am Bahnsteig ankam freute ich mich darauf im Zug zu sitzen und ins Hotel zu fahren… Mein Telefon schellte… „In welchem Abteil bist du?“ „Abteil? Wieso Abteil? Seit wann sind Gleisabschnitte Abteile?“ „Is jetzt nicht dein Ernst oder? Was siehst Du?“ „Bahnsteig… Rücklichter vom Zug…“ Ein langer Piepton war auf einmal zu hören… Netz weg? Telefon schellt… „Du Honk, wir haben doch gerufen: rennen der Zug fährt gleich…“ „Ach so, "wir" sollten rennen… Na jetzt nich mehr oder?“ „Ruf den Sebi an, der fährt noch mit der U-Bahn durch München. Da fährt noch ein Bus um 0.30 Uhr zum Tegernsee…“ „Okay, ich komm schon Heim… Irgendwie…“ So stand ich da am Bahnsteig den Lichtern des Zuges hinterher schauend, kannte die Sprache nicht und wusste nicht wo der Bus abfährt. Ich rief meinen Kumpel an und fragte wo er sei. „Na ich sitze in der U-Bahn, kommt ja irgendwann doch am Bahnhof an oder?“ „Kommt drauf an in welche Richtung Du fährst…“ „Scheiße…“ Es piepte im Telefon. Offensichtlich war’s die verkehrte Richtung… Es war kurz nach halb zwölf… Fünfzig Minuten hatte ich noch um Sebi und den Bus zu finden… Wie komme ich vom Bahnsteig runter? Nach einigen Fragen und wirren Blicken der Leute habe ich die Bushaltestelle gefunden. Zwölf Uhr, gefühlte minus 30°C saß ich am Busbahnhof und wartete auf den Bus. „Hey Jupp...“ Hallo? Wer kennt mich hier? „Endlich hab ich dich gefunden…“ Ich blickte auf und sah meinen Kumpel. Gott sei dank nicht mehr allein. So denn kam auch der Bus, wir stiegen ein, nahmen Platz und schlummerten ein wenig…
Am nächsten Morgen saßen wir bei Kaffee und Brötchen zu Tisch und amüsierten uns über den Ablauf des vergangenen Tages auf der Theresienwiese und bereiteten uns auf den nächsten Marsch zur Wiesn vor. Insgeheim kam ich zu dem Fazit dass ich das nächste Mal eine Jacke mitnehme, es ist doch ziemlich kalt im Oktober, Nachts in München…
Nächstes Jahr fahren wir wieder hin...
In diesem Sinne
Euer J. McClane





